Forderungen des Oltener Streikkomitees

Der Landesstreik im November 1918 ist ein bedeutendes Ereignis der Schweizer Geschichte. Er wurde im Kanton Solothurn sehr unterschiedlich erlebt.
Das Projekt „Verschiebungen 18/18“ geht diesen unterschiedlichen Perspektiven nach und greift dabei in mehreren kleinen Teilprojekten Aspekte auf, die vielleicht weniger bekannt sind.

Phase 2 // Solothurn, Kreuzackerbrücke // Foto: Christian Meichtry
Foto: Christian Meichtry

Gestartet ist „Verschiebungen 18/18“ mit sechs von insgesamt neun Forderungen des Oltener Aktionskomitees in einer leicht aktualisierten Sprache:

Wir fordern die Neuwahl des Nationalrates nach dem Proporzsystem
Wir fordern das Stimmrecht für Frauen
Wir fordern die Beschränkung der Wochenarbeitszeit auf 48 Stunden
Wir fordern Lebensmittel für alle
Wir fordern eine Alters- und Invalidenversicherung
Wir fordern die Tilgung aller Staatsschulden durch die Besitzenden

Die Forderungen sind Teil des Minimalprogramms, das die organisierte Arbeiterschaft über ihre Vertretung, das Oltener Aktionskomitee, an den Bundesrat richtete.
Nahezu alle Forderungen wurden in der Zwischenzeit auf demokratischem Weg verwirklicht. Manche recht kurzfristig, andere brauchten Jahrzehnte.
Die Themen der Forderungen waren und sind bis heute – unter anderen Umständen und Voraussetzungen – in der Diskussion, betreffen sie doch wichtige Eckpunkte  unseres Selbstverständnisses in der Schweiz.

Die Forderungen sind auf Asphaltklebern in Breitenbach auf dem Eugen-Saner-Platz, in Olten auf dem Vorplatz der Martin Disteli-Unterführung und in Solothurn auf der Kreuzackerbrücke aufgetaucht. Zunächst ohne Anhaltspunkte auf die Quelle. In zwei Stufen wurden die Bodenkleber mit dem Zeitpunkt, in dem die Forderung gestellt wurde und dem Zeitpunkt der Umsetzung ergänzt. Schliesslich kamen Zitate aus den Interviews hinzu, welche 2016 mit Solothurner/-innen geführt worden sind.

Die letzte Ergänzung fand am Samstag, 20. August zeitgleich an allen drei Orten statt. Die Passant/-innen hörten über Lautsprecher weitere Statements aus den Interviews. Sie erhielten eine «Essensmarke für eine Suppe», welche zur Vernissage von Hörstücken, basiernd auf Quellentexten, am 9. November auf die Holzbrücke in Olten einlädt. Der Bon erinnert an die Rationierungsmarken von 1914 – 1918 in der Schweiz.

«Worom risset der d‘ Chläber jetz weder ewäg? Die si doch guet gse!» A.F. 20.08.2016

«I ha vor zwöi Johr afoh schaffe. Wenn ig is Pensionsauter chume, wird’s das Gäud gar nüm gäh. Das isch es rein mathematischs Problem.» S.K., Physiker, 20.08. 2016

«Das hani gar nid gwüsst, dass ir Schwitz sone Hungersnot isch gsi.» R.G. 20.08.2016

«Demokratie ist nicht einfach zu lernen. Das braucht Zeit, viel Zeit.» Eine Touristin aus Deutschland in Solothurn 20.08.2016

«Me cha nid immer nur fordere. Me muess au mou öppis mache.» U.S. 20.08.2016

 

REAKTIONEN IN DER PRESSE

SRF Regionaljournal Aargau Solothurn, 18. August 2016

Radio 32, 18. August 2016

Solothurner Zeitung und Oltner Tagblatt, 18. August 2016

Wochenblatt für das Schwarzbubenland und das Laufenthal, 18. August 2016